Der chinesische E-Auto-Gigant BYD treibt seine Expansion in Europa massiv voran und steht offenbar kurz vor der Übernahme eines bestehenden Automobilwerks. Wie Alfredo Altavilla, BYD-Sonderberater für Europa, auf der Reuters Automotive Europe Konferenz in Frankfurt am Main andeutete, rückt eine Entscheidung über ein sogenanntes „Brownfield-Investment“ in greifbare Nähe.
Frankfurt am Main – Um lokalen Produktionsvorgaben („Made in Europe“) gerecht zu werden und drohende EU-Zölle zu umgehen, drückt der chinesische Automobilhersteller BYD aufs Tempo. „Die Entscheidung muss sehr bald fallen“, betonte Europa-Berater Alfredo Altavilla auf dem Branchengipfel in Frankfurt. Aktuell buhlen vor allem Spanien und Frankreich um den Zuschlag für den neuen Produktionsstandort.
Spanien und Frankreich als Favoriten – Kritik an Deutschland
Laut Altavilla befinden sich derzeit zwei BYD-Prüfteams in verschiedenen europäischen Regionen, um potenzielle Standorte traditioneller Automobilhersteller zu analysieren. Eine Übernahme bestehender Fabriken (Brownfield-Investment) ermöglicht es BYD, deutlich schneller mit der Produktion zu starten als bei einem Neubau.
Kritische Worte fand Altavilla hingegen für den Automobilstandort Deutschland: Er stellte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstätten angesichts der sinkenden Kapazitätsauslastung offen infrage.
Die Pläne von BYD fallen in eine Phase des extremen Umbruchs in der europäischen Automobilindustrie:
- Überkapazitäten: Etablierte Hersteller kämpfen mit ungenutzten Produktionslinien.
- Investitionsdruck: Milliarden fließen gleichzeitig in die Entwicklung von Batterietechnologien und Softwarelösungen.
- Konkurrenzdruck: Während Stellantis über Joint Ventures mit Dongfeng und Leapmotor versucht, die Produktion in Spanien und Frankreich hochzufahren, setzt BYD auf eigene Werke.
Zweites Europa-Werk nach Ungarn: BYD-Absatzzahlen explodieren
Für BYD wäre die Übernahme bereits die zweite große Fertigungsstätte auf dem europäischen Kontinent. Das erste Werk in Ungarn befindet sich bereits im Bau; der Produktionsstart ist für das vierte Quartal dieses Jahres geplant.
Die Notwendigkeit für lokale Werke spiegeln die rasant steigenden Absatzzahlen des Konzerns wider:
- Wachstum im Vorjahr: Ein satter Verkaufszuwachs von 270 Prozent auf rund 188.000 Fahrzeuge.
- Aktuelle Entwicklung: In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres verdoppelten sich die Verkäufe erneut und knackten bereits die Marke von 100.000 Einheiten.
Krise bei Volkswagen als „Weckruf“ für die Branche
Die Expansionspläne der chinesischen Konkurrenz verschärfen die Krise bei traditionellen europäischen Herstellern. Altavilla bezeichnete die jüngsten Sparpläne von Volkswagen als den „ersten echten Weckruf“ für die europäische Automobilindustrie.
Aus Branchenkreisen wurde kürzlich bekannt, dass VW angesichts von Zollstreitigkeiten, steigenden Kosten und dem massiven Druck aus China vor dem tiefgreifendsten Umbau seiner Konzerngeschichte steht. Die Wolfsburger prüfen laut Medienberichten den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von vier Werken in Deutschland.











