Eine aggressive Ameisenart sorgt in Teilen Bayerns und Deutschlands zunehmend für Probleme. Die sogenannte Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) breitet sich im Raum Aschaffenburg aus und verursacht bereits Schäden an Friedhöfen, Gehwegen und technischen Anlagen. Experten warnen vor einer weiteren Ausbreitung der potenziell invasiven Art.
Ameisen zerstören Wege und Grabstätten in Hösbach
Besonders deutlich zeigt sich das Problem auf einem Friedhof im unterfränkischen Hösbach. Dort kommen die Ameisen aus zahlreichen kleinen Öffnungen im Boden und unter der beschädigten Teerdecke hervor.
Die Tiere tragen lockeres Erdmaterial ab und schaffen dadurch Hohlräume unter Wegen, Grabsteinen und Mauern. Wenn dadurch Fundamente instabil werden, können schwere Schäden an Grabstätten und Bauwerken entstehen.

Große Drüsenameise bildet riesige Kolonien
Bei der entdeckten Art handelt es sich um die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum), die vom Umweltbundesamt als potenziell invasive Art eingestuft wird.
Der Ameisenexperte Melvin Opolka von der Universität Bayreuth erklärt, dass diese Ameisenart außergewöhnlich große Kolonien bilden kann. Ein Staat kann aus Hunderttausenden bis zu mehreren Millionen Arbeiterinnen bestehen.
Die Kolonien verfügen über zahlreiche Königinnen und verteilen sich oft über mehrere miteinander verbundene Nester. Anders als viele heimische Ameisenarten arbeiten diese Nester eng zusammen.
Warum sich Tapinoma magnum in Städten ausbreitet
Die Große Drüsenameise bevorzugt warme Lebensräume innerhalb von Siedlungen. Besonders geeignet sind Orte wie:
- Friedhöfe
- Gehwegplatten
- Spielplätze
- Industrieanlagen
- aufgeheizte Asphaltflächen
Die von Menschen geschaffenen Strukturen bieten Wärme und zahlreiche Hohlräume, die ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Art schaffen.
Auch Stromkästen sind betroffen. In einem Fall nutzten die Ameisen sogar eine alte Klingelanlage und einen Kabelkanal, um in ein Gebäude einzudringen.
Gefahr für heimische Ameisenarten und Ökosysteme
Experten sehen die Große Drüsenameise als besonders konkurrenzstark. Durch ein spezielles Gift aus ihrer Analdrüse kann sie sich gegen andere Ameisenarten verteidigen.
In Deutschland gibt es rund 120 heimische Ameisenarten. Einige dieser Arten könnten durch die invasive Ameise verdrängt werden. Da Ameisen eine wichtige Rolle im Boden, bei der Verwertung organischer Materialien und im natürlichen Ökosystem spielen, könnten langfristige Folgen entstehen.
Schäden an Gebäuden, Wegen und Stromanlagen
Neben ökologischen Auswirkungen verursacht Tapinoma magnum auch direkte Schäden an der Infrastruktur.
Betroffen sind unter anderem:
- absackende Gehwegplatten
- beschädigte Grabstätten
- instabile Mauern
- unterhöhlte Bodenbereiche
- Probleme in Elektroverteilerkästen durch mögliche Kurzschlüsse
In einigen Regionen Baden-Württembergs haben sich die Ameisen bereits über große Flächen ausgebreitet und bilden teilweise kilometerlange Verbindungen zwischen ihren Kolonien.
Wie die Ameise nach Bayern gelangte
Nach Einschätzung von Experten kam die Große Drüsenameise aus Hessen nach Nordbayern und erreichte inzwischen den Raum Aschaffenburg.
Die Art wird häufig durch den internationalen Pflanzenhandel verbreitet. Besonders Pflanzen aus wärmeren Regionen wie Olivenbäume aus Italien oder Südfrankreich gelten als mögliche Transportwege.
Eine Ausbreitung über weite Teile Bayerns wird befürchtet. Der Alpenraum könnte aufgrund des kühleren Klimas jedoch weniger geeignet für die wärmeliebende Ameisenart sein.
Gemeinden kämpfen mit Heißwasser gegen die Ameisen
Die Gemeinde Hösbach hat bereits rund 30.000 Euro in ein Spezialgerät investiert, das die Ameisen mit bis zu 120 Grad heißem Wasser bekämpft.
Das Ziel ist, die Nester tief im Boden zu erreichen und die Kolonien langfristig zu schwächen. Auch die Stadt Aschaffenburg arbeitet mit Schädlingsbekämpfern zusammen, die Heißwasser mit Nematoden kombinieren, um die Ameisen in ihren Nestern zu bekämpfen.
Dauerhafte Herausforderung für Städte und Gemeinden
Experten gehen nicht davon aus, dass die Große Drüsenameise vollständig ausgerottet werden kann. Stattdessen soll die Population kontrolliert und eine unkontrollierte Ausbreitung verhindert werden.
Welche Maßnahmen langfristig erfolgreich sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für viele Kommunen bleibt die Bekämpfung der invasiven Ameisenart jedoch eine langfristige Aufgabe.











